Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit
Warum es nicht klappt: bei der Frau, beim Mann, bei beiden
Wenn es nicht klappt, suchen viele Frauen die Schuld zuerst bei sich. Dabei ist ungewollte Kinderlosigkeit keine Frauensache. Die Ursachen liegen etwa gleich häufig bei der Frau wie beim Mann, oft bei beiden zugleich, und manchmal findet sich gar keine.
Deshalb werden immer beide untersucht. Beim Mann geht das schneller und ist weniger belastend, darum fängt man meist dort an.
Ursachen beim Mann
Am häufigsten werden zu wenige oder zu wenig bewegliche Spermien gebildet, seltener ist der Transport gestört. Ein Spermiogramm gibt darüber Auskunft, und es ist schnell gemacht. Welche Werte heute gelten und was sich behandeln lässt, steht hier: Ursachen beim Mann
Ursachen bei der Frau
Eisprung und Eizellreifung. Das hormonelle Gleichgewicht steuert den Zyklus. Gerät es durcheinander, reift keine Eizelle heran oder der Eisprung bleibt aus. Häufig steckt ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom) dahinter, oft verbunden mit erhöhten männlichen Hormonen. Auch eine Schilddrüsenerkrankung, starkes Unter- oder Übergewicht, große Gewichtsschwankungen und extremer Sport können den Zyklus stören.
Eileiter. Sind die Eileiter verschlossen oder verwachsen, treffen Eizelle und Spermium nicht zusammen. Ursache sind meist frühere Entzündungen, etwa nach einer Chlamydien-Infektion, oder Operationen im Bauchraum.
Endometriose. Gebärmutterschleimhaut siedelt sich außerhalb der Gebärmutter an, etwa an Eierstöcken oder Eileitern, und führt zu Verwachsungen. Typisch sind starke Schmerzen bei der Regelblutung. Endometriose wird oft spät erkannt.
Gebärmutter und Gebärmutterhals. Myome, Vernarbungen nach Operationen oder Entzündungen können die Einnistung erschweren oder den Spermien den Weg versperren. Fehlbildungen der Organe sind selten.
Alter. Zahl und Qualität der Eizellen nehmen ab, deutlich spürbar ab Mitte 30. Das ist keine Krankheit, aber der Faktor mit dem größten Einfluss darauf, wie lange es dauert.
Was für beide gilt
Rauchen, viel Alkohol, deutliches Über- oder Untergewicht und Anabolika wirken sich bei Frauen wie Männern auf die Fruchtbarkeit aus. Das ist der Teil, den Sie selbst beeinflussen können.
Wenn sich keine Ursache findet
Bei einem Teil der Paare bleibt die Suche ohne Ergebnis. Man spricht dann von idiopathischer Kinderlosigkeit. Für viele ist das besonders schwer auszuhalten, weil man nicht weiß, wo man ansetzen soll. Es heißt aber nur, dass die heutige Diagnostik die Ursache nicht findet. Behandlungen sind trotzdem möglich.
Stress ist übrigens auch in diesen Fällen nicht die Erklärung, auch wenn man das oft hört. Mehr dazu unter Ist die Psyche schuld?
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