Behandlungsmethoden bei Kinderwunsch
Von der Zyklusbeobachtung bis zur ICSI
Wer zum ersten Mal von Insemination, IVF und ICSI hört, verliert schnell den Überblick. Hier erklären wir die Verfahren der Reihe nach, von der einfachsten Methode bis zur aufwendigsten.
Übrigens ist „künstliche Befruchtung“ ein irreführender Begriff. Bei einer Insemination werden die Spermien nur näher an die Eizelle gebracht, verschmelzen müssen sie von allein. Im Labor befruchtet wird nur bei IVF und ICSI.
Zuerst die Abklärung
Am Anfang steht die Frage, woran es liegt. Beim Mann ist das ein Spermiogramm. Bei der Frau geht es um Zyklus und Hormone, per Ultraschall und Blutwerten, bei Bedarf wird geprüft, ob die Eileiter durchgängig sind. Erst danach lässt sich sagen, welche Behandlung überhaupt sinnvoll ist.
Zyklusmonitoring
Der Zyklus wird beobachtet, um den Eisprung genau zu bestimmen: per Ultraschall, ergänzt durch Hormonwerte oder einen LH-Test aus der Apotheke. Oft reicht das schon, weil viele Paare den fruchtbaren Zeitraum falsch einschätzen. Das Monitoring kann Ihre Frauenärztin vor Ort übernehmen.
Hormonelle Stimulation
Reift keine Eizelle heran oder bleibt der Eisprung aus, lässt sich der Zyklus mit Medikamenten unterstützen, als Tabletten oder als Spritzen. Ziel sind ein bis zwei reife Eibläschen, nicht möglichst viele. Deshalb wird per Ultraschall kontrolliert: Reifen zu viele heran, wird der Zyklus abgebrochen, sonst droht eine Mehrlingsschwangerschaft.
Insemination
Die aufbereiteten Spermien werden zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt an den Muttermund oder in die Gebärmutter gebracht. Der Eingriff dauert wenige Minuten und ist kaum spürbar. Verwendet wird entweder das Sperma des Partners oder Spendersamen. Mehr zur Samenspende
IVF
Bei der In-vitro-Fertilisation werden nach hormoneller Stimulation Eizellen entnommen und im Labor mit Spermien zusammengebracht. Die Befruchtung passiert dabei von selbst. Zwei bis fünf Tage später werden ein oder zwei Embryonen in die Gebärmutter übertragen.
ICSI
Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wird eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle gespritzt. Das ist der Weg, wenn die Spermienqualität stark eingeschränkt ist. Vor einer ICSI wird eine genetische Beratung empfohlen.
Wenn im Ejakulat keine Spermien sind
Dann lassen sich Spermien operativ aus Hoden oder Nebenhoden gewinnen (TESE, MESA) und für eine ICSI verwenden. Finden sich auch dort keine, ist eine Behandlung mit Spendersamen ein möglicher Weg.
Einfrieren
Spermien lassen sich einfrieren und über Jahre lagern, etwa vor einer Krebstherapie oder vor einer Vasektomie. Das übernehmen wir. Mehr zur Kryokonservierung
Auch Eizellen können eingefroren werden. Dafür sind Kinderwunschzentren zuständig, wir frieren ausschließlich Sperma ein.
Wie gut sind die Aussichten?
Das hängt vor allem vom Alter der Frau ab, dazu von der Ursache und der Methode. Pauschale Prozentzahlen helfen Ihnen deshalb wenig, im Einzelfall können sie deutlich darüber oder darunter liegen. Ihr Kinderwunschzentrum kann Ihre Aussichten einschätzen. Jahresauswertungen für Deutschland veröffentlicht das Deutsche IVF-Register.
Risiken
- Mehrlinge. In Deutschland dürfen bis zu drei Embryonen übertragen werden. Je mehr, desto höher das Risiko für Mutter und Kinder. Auch eine hormonelle Stimulation allein kann zu Mehrlingen führen.
- Überstimulationssyndrom. Die Eierstöcke reagieren zu stark auf die Hormone. Das kann von leichten Beschwerden bis zu einem Krankenhausaufenthalt reichen. Regelmäßige Kontrollen senken das Risiko.
- Eileiterschwangerschaft. Möglich wie bei jeder Schwangerschaft.
- Fehlgeburt. Auch hier gilt das allgemeine Risiko, das mit dem Alter der Frau steigt.
- Fehlbildungen. Studien deuten auf ein leicht erhöhtes Risiko nach IVF und ICSI hin. Ob das an der Methode liegt oder an der zugrunde liegenden Fruchtbarkeitsstörung, ist nicht abschließend geklärt.
- Belastung. Termine, Spritzen, das Warten und die Enttäuschungen zehren an den Kräften. Auch das gehört für uns ehrlicherweise zu den Risiken einer Behandlung. Psychologische Hilfe
Was eine Behandlung mit Spendersamen kostet und was die Kasse übernimmt, steht hier: Zahlt die Krankenkasse?
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