Die psychologische Seite der Samenspende
Welche psychologischen Herausforderungen eine Spendersamenbehandlung mit sich bringt.
Als Diplom-Psychologin und Geschäftsführerin der Cryobank-München möchte ich mit Ihnen offen über das sprechen, was bei diesem Thema im Kopf und im Herzen passiert. Denn genau dafür bin ich da – nicht nur als Samenbank, sondern als Mensch, der zuhört.
Es darf sich erst einmal fremd anfühlen
Seien wir ehrlich: Sich für die eigene Familie die Hilfe eines Menschen zu holen, den man nicht kennt, fühlt sich am Anfang oft ein wenig fremd an. Diese Fremdheit dürfen Sie fühlen, sie ist völlig verständlich. Und meine Erfahrung ist: Sie löst sich, sobald man sich klarmacht, worum es wirklich geht. Denn eine Samenspende ist keine zweite Person, die in Ihre Familie tritt. Sie ist eher wie eine Gewebe- oder Organspende – eine Hilfe, die Leben möglich macht.
Der Spender darf in den Hintergrund treten
Deshalb muss der Spender gar nicht als ganze Person mit all seinen Eigenheiten vor Ihnen stehen. Wichtig sind am Ende nur ein paar Dinge an ihm – und welche das sind, arbeiten wir gemeinsam heraus: das, was Ihnen persönlich wichtig ist. Der Rest darf ruhig im Hintergrund bleiben. Wie wir dabei vorgehen, lesen Sie auf unserer Seite zur persönlichen Spenderauswahl.
Die Samenspende ist ein Teil Ihrer Geschichte – nicht Ihre ganze Familie
Die Samenspende wird ein Teil Ihrer Familiengeschichte sein, ein Kapitel, ehrlich und ohne Geheimnis. Aber sie ist nicht Ihre Familie. Ihre Familie, das sind Sie und Ihr Kind – der Alltag, die durchwachten Nächte, die Feste, das Lachen. Vieles von dem, was am Anfang schwer wiegt, entscheidet sich im Kopf, in der Art, wie wir die Dinge für uns einordnen. Und genau da setze ich als Psychologin an.
Was ein Kind wirklich braucht
Das Wichtigste, was ich Ihnen mitgeben möchte, ist das hier: Ein Kind braucht keine bestimmten Gene, es braucht Menschen, die es lieben und großziehen. Elternschaft entsteht nicht im Moment der Zeugung, sondern in den tausend Tagen danach – im Trösten, im Dasein, in der Fürsorge. Ein Vater ist der, der Vater ist; eine Mutter ist die, die Mutter ist. Das gilt für Paare, die sich nach einer männlichen Unfruchtbarkeit ein Kind wünschen, ebenso wie für zwei Frauen, die gemeinsam eine Familie gründen, und für Frauen, die diesen Weg mutig allein gehen.
Sie genügen für Ihr Kind
Ich habe in all den Jahren so viele wunderbare Familiengeschichten begleitet. Und wenn Eltern mir später erzählen, ihr Kind sei „ganz der Papa" oder „sehe aus wie die Mama", dann ist die anfängliche Fremdheit längst vergessen. Was ich mir für Sie wünsche, ist deshalb vor allem eines: dass Sie an sich glauben. Dass Sie spüren, dass Sie genügen für Ihr Kind. Denn das tun Sie.
Und ich sage Ihnen das nicht nur als Psychologin. Ich weiß aus meinem eigenen Leben, wie lang und wie zehrend der Weg zum eigenen Kind sein kann – wie viel Geduld, Hoffnung und Kraft er manchmal verlangt. Gerade wenn es bei Ihnen schon länger nicht klappt, möchte ich Ihnen von Herzen sagen: Geben Sie sich und Ihren Traum nicht auf.
Über all das dürfen wir in Ruhe sprechen. Im Erstgespräch nehme ich mir Zeit für genau die Fragen, die Ihnen durch den Kopf gehen – ohne Eile und ohne Wertung.

