Bookmark and Share

Psyche und Unfruchtbarkeit

Schon allein wenn Mitmenschen beispielsweise fragen: „Wollt ihr keine Kinder?“, dann sind das nicht selten Nadelstiche, die sehr schmerzen. Befreundete Ehepaare kann man nicht mehr besuchen; denn sie reden nur von ihren Kindern. Man wird neidisch, dass die Nachbarin Kinder hat, die um das Haus herum springen und lachen, man selbst aber ungewollt kinderlos ist. Man kapselt sich ab und könnte wütend werden, weil in jeder Sekunde fünf Kinder auf der Welt geboren werden, - warum nicht bei uns? Warum sind wir nur ungewollt kinderlos?

So bleibt eine ungewollte Kinderlosigkeit bei vielen betroffenen Paaren auch seelisch nicht ohne Folgen.

Der Wunsch nach einem eigenen Kind wächst, er scheint der einzige Sinn des Lebens zu sein, und kann sich bis zur neurotischen Fehlhaltung steigern: Ein Kind um jeden Preis, Behandlung im Ausland, wenn es hier nicht geht, usw.
Allerdings erleben gerade solche ungewollt kinderlosen Paare auch durchaus immer wieder einmal Unverständnis für ihren Kinderwunsch.

Am Arbeitsplatz sagt man ihnen, ein Kinderwunsch sei doch kein Grund zur Arbeitsbefreiung, man sei doch nicht arbeitsunfähig oder gar krank, nur eben ungewollt kinderlos.

Wohnungsvermieter und Nachbarn wollen lieber ruhige, kinderlose Mieter - ohne Lärm auf der Strasse oder im Garten. Krankenversicherungen versuchen Kostenreduzierungen gerade bei der Sterilitätsbehandlung. Kirchen sind der Meinung, das Kind sei ein Geschenk Gottes, - also ist Kinderlosigkeit des Gottes Wille.

So entwickelt sich bei manchem ungewollt kinderlosen Paar das Gefühl, etwas Unrechtes zu fordern, - manches Paar resigniert, ist traurig und verzweifelt.

Verwandte, Freunde und Bekannte meinen, ohne Kinder könne man doch sorgenfreier leben, man könne leichter verreisen und brauche sich im Alltag weniger einzuschränken. Viele Menschen haben einfach kein Verständnis dafür - man kann mit ihnen darüber nicht reden.

Und so sollte Ihnen immer klar sein:
Beim Kinderwunsch sollte sich kein Unrechtsbewusstsein entwickeln.

Generell kann man sagen, dass in den meisten Fällen der Leidensdruck bei der ungewollt kinderlosen Patientin größer ist als beim Partner. Dies ist verständlich, denn der Mann kann niemals selbst schwanger werden oder ein Kind bekommen.

Auf der anderen Seite kann aber der Leidensdruck beim Ehemann sehr viel größer sein, wenn die Patientin z.B. Kinder aus früheren Beziehungen hat, oder wenn Schuldgefühle aufgrund einer männlich bedingten Fertilitätsstörung für den Ehemann stärker sind.

Denn obgleich heute Fertilitätsprobleme des Mannes immer häufiger werden und deutschlandweit derzeit ca. 40.000 Männer davon betroffen sind, so ist die männliche Unfruchtbarkeit leider noch immer meist ein gesellschaftliches Tabu. Und genau diese Tatsache macht es für den Mann von heute oft auch so schwerer, mit seiner Unfruchtbarkeit umzugehen.

Schließlich spielen Scham und der Glaube „kein richtiger Mann zu sein“ hierbei eine große Rolle und machen es dem Mann dadurch noch schwerer, mit der Situation umzugehen. Oft fühlt er sich schuldig, obwohl er ja nichts getan hat, weshalb er sich für sein „Defizit“ verantwortlich fühlen müsste.

Überhaupt können auch (unausgesprochene) Schuldgefühle bzw. Schuldzuweisungen erheblich zu einer Verstärkung des Leidens am unerfüllten Kinderwunsch führen.

Deshalb bietet es sich in diesen Fällen häufig an, einen Psychologen zu kontaktieren, um mit ihm (etwaige) psychosomatische Begleiterscheinungen des unerfüllten Kinderwunsches näher zu betrachten oder sich einfach einmal einen Rat von jemand zu holen, der häufig mit Paaren zu tun hat, die ungewollt kinderlos sind. Die Diplom-Psychologin Constanze Bleichrodt heißt Sie daher herzlich zu einem Erstgespräch willkommen (info@psychologische-praxis-bleichrodt.de).

Zumal es im Rahmen der Beschäftigung mit der eigenen ungewollten Kinderlosigkeit auch eine Vielzahl anderer Fragen gibt, die immer wieder aufkommen und die innerhalb der Partnerschaft auch beantwortet werden müssen – wobei auch hier ein Experte oft hilfreich sein kann.

So zum Beispiel bei der Frage nach der Bedeutung eines Kindes für die Partnerschaft oder für den Einzelnen, sowie bei der Frage nach alternativen Perspektiven, wie beispielsweise nach einer Adoption; oder aber nach der Behandlungsdauer oder einer möglichen Beendigung der Therapie. Und oft muss auch die „bittere“ Frage, wie man sich doch letztlich auch ein Leben ohne Kind vorstellen kann, nicht weiter verdrängt, sondern offensiv angegangen und diskutiert werden.

Beratung bedeutet dem ungewollt kinderlosen Paar zum Zeitpunkt der Sterilitätskrise die Möglichkeit zu geben, diese besonders schmerzliche Erfahrung in einen größeren Zusammenhang des Lebens zu stellen. Schließlich spielt neben der körperlichen Befindlichkeit eben auch die Psyche eine wesentliche Komponente beim unerfüllten Kinderwunsch, auch wenn Paare sich dies nur selten offen eingestehen.

Der Verzicht auf ein eigenes Kind steht nicht am Anfang der Bemühungen, sondern erst am Ende, also nach erfolglosen Behandlungsversuchen und nach etwaigen Adoptionserwägungen.

Denn davor gibt es schließlich eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten für ein bisher ungewollt kinderloses Paar.

Aber auch, wenn die Psyche nur ganz selten ein Grund für Kinderlosigkeit ist, so kann ungewollte Kinderlosigkeit generell durchaus zu einer psychosozialen Belastung werden kann.

^^