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Risiken bei der Kinderwunschtherapie

Bei Schwangerschaften nach Verfahren der assistierten Befruchtung findet sich eine erhöhte Rate an unterschiedlichen Komplikationen. Diese sind nicht immer, aber sehr häufig auf den hohen Anteil von Mehrlingsschwangerschaften zurückzuführen.

MEHRLINGSSCHWANGERSCHAFTEN

Das häufige Auftreten von Mehrlingsschwangerschaften ist bis heute ein ernst zu nehmendes Problem der Kinderwunschbehandlung, da der Verlauf einer Mehrlingsschwangerschaft immer mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kinder behaftet ist. Neben den medizinischen Aspekten ist es wichtig zu bedenken, dass eine Mehrlingsschwangerschaft eine deutliche höhere Belastung für das Paar hinsichtlich der Umstellung des persönlichen Lebens, der Paarbeziehung, für bereits vorhandene Geschwister und die finanzielle Situation darstellt. In Deutschland dürfen bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter zurückgesetzt werden. Da auch nach diesem Vorgang noch eine Teilung möglich ist, können auch höhergradige Schwangerschaften entstehen. Um das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft zu vermindern wird bei Frauen unter 35 Jahren im Allgemeinen empfohlen nur zwei Embryonen in die Gebärmutter zurückzusetzen.

Bei einer Inseminationsbehandlung allerdings besteht keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft!

Die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft ist bei IVF- und ICSi-Behandlungen grundsätzlich erhöht (20 bis 30 Prozent), weil zur Sicherstellung des Erfolges meist mehrere (jedoch maximal drei) Embryonen in die Gebärmutter eingebracht werden.

FEHLGEBURTEN

Generell sind Fehlgeburten häufig

Wenn durch eine Ultraschalluntersuchung eine Schwangerschaft festgestellt wurde, beträgt das Risiko für eine spontane Fehlgeburt ca. 15 %. Sehr frühe Fehlgeburten sind noch häufiger. So weiß eine Frau oft gar nicht, dass sie schwanger war. Das Risiko für eine Fehlgeburt sinkt mit zunehmender Schwangerschaftsdauer.

Ein wichtiger Einflussfaktor ist das Alter der Frau. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine Fehlgeburt deutlich an. Mehr als die Hälfte der Fehlgeburten ist genetisch bedingt, d. h. meistens liegen Chromosomenfehlverteilungen vor. Bei mehrmaligen vorangegangenen Fehlgeburten steigt das Risiko ebenfalls deutlich an. Müssen Eltern also bei einer “normalen” Schwangerschaft in jeder 15. Schwangerschaft mit einer Fehlbildung ihres Babys rechnen, so ist dieses Risiko bei Kindern, die mit Hilfe der Reproduktionsmedizin geboren werden, leicht erhöht, so dass es hier ungefähr bei etwa jeder zwölften Schwangerschaft zu einer Fehlbildung kommt.

Da das Alter des Paares ein wesentlicher Risikofaktor ist und hauptsächlich ältere Paare in Kinderwunschbehandlung sind, kann die höhere Fehlgeburtenrate bei Kinderwunschpatienten erklärt werden. Spezielle Veränderungen des Erbmaterials (chromosomale Aberrationen) kommen insbesondere bei schweren Spermaveränderungen häufiger vor. Ein männlicher Nachkomme kann in diesem Fall die selben Fruchtbarkeitsprobleme aufweisen wie sein Vater.

FRÜH- UND MANGELGEBURTEN

Bei der IVF-Behandlung ist das Risiko von Früh- und Mangelgeburten erhöht. Die Folge können gesundheitliche Schäden bei den Kindern sein.

Vor allem bei Mehrlingsschwangerschaften ist die Gefahr von Früh- und Mangelgeburten deutlich höher.

FEHLBILDUNGEN

Studien weisen auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Fehlbildungen für Kinder hin, die nach IVF oder ICSI-Behandlung geboren wurden. Vor einer ICSI-Behandlung wird eine genetische Beratung empfohlen.

EILEITERSCHWANGERSCHAFT

Die Möglichkeit, dass ein befruchtetes Ei sich im Eileiter einnistet, ist genauso hoch wie in jeder anderen Schwangerschaft auch und liegt bei ca. 1,5 -2,5 Prozent. Die Ausnahme besteht beim Intratubaren Gametentransfer. Bei Frauen mit vorausgegangenen Entzündungen der Eileiter oder früheren Eileiterschwangerschaften ist deshalb das Risiko der Eileiterschwangerschaft erhöht.

OVARIELLES ÜBERSTIMULATIONSSYNDROM (OHSS)

Das Ovarielles Überstimulationssyndrom OHSS kann durch die stark erhöhten Hormonspiegel im Körper nach der hormonellen Stimulation des Eisprungs entstehen. Nach der Eizellpunktion kommt es dann zu einer Überfunktion der Eierstöcke, die mit deren Vergrößerung und Zystenbildung in den Eierstöcken einher gehen kann.

Bei einer Überstimulation produzieren die Eierstöcke sehr viele Eibläschen, die wiederum vermehrt Hormone ausschütten. Diese Überfunktion kann zu Übelkeit und Flüssigkeitsansammlung mit Schmerzen im Bauchraum führen. Die Häufigkeit und der Schweregrad des OHSS hängen von der Art und der Dosis der verwendeten Hormone ab. In leichter Form tritt das OHSS sehr häufig bei hormoneller Stimulation auf. Schwere Verlaufsformen findet man bei ca. 5 Prozent der Fälle, sehr schwere Verlaufsformen werden mit ca. 0,7 Prozent angegeben.

Wegen der potenziellen Gefahr einer Überstimulation wird die hormonelle Behandlung von dem behandelnden Arzt sehr sorgfältig überwacht und so kann durch eine regelmäßige Kontrolle das Risiko der schweren Überstimulation glücklicherweise auf ein bis zwei Prozent vermindert werden. Hier ist Ihre aktive Mitarbeit gefragt, indem Sie die Untersuchungstermine genau einhalten.

Zu Überstimulation kommt es eigentlich nur im Rahmen solcher Behandlungen, bei denen die Produktion mehrer Eier pro Zyklus notwendig ist. Deshalb kommt es bei Inseminationsbehandlungen in der Regel nicht zu Überstimulationen, reicht hier ein einziges Ei zur Befruchtung.

OPERATIVE KOMPLIKATIONEN

Selten treten im Rahmen der mit der IVF verbundenen chirurgischen Eingriffe Komplikationen auf. Beispielsweise kann es bei der Eizellentnahme zu Infektionen kommen oder, ebenfalls in seltenen Fällen, zu Verletzungen der im Beckenraum gelegenen Organe.

PSYCHISCHER STRESS

Eine Kinderwunschbehandlung ist mit hohem Zeitaufwand, oft zahlreichen Terminen und zum Teil auch aufwendigeren Untersuchungen verbunden. Sie erfordert deshalb von beiden Partnern ein großes Maß an Geduld.

Die Paare erleben eine Zeit starker Gefühle, zum Teil auch starker Gefühlsschwankungen zwischen Hoffen und Bangen, Freude und Enttäuschung. Da kommt es leicht zu psychischem Stress. Deshalb ist es für Paare besonders wichtig im Gespräch zu bleiben: Teilen Sie einander mit, wie es Ihnen geht – körperlich und seelisch. Reden Sie mit Ihrem Partner.

Tauschen Sie sich mit Freunden aus, gegebenenfalls in einer Selbsthilfegruppe und vor allem auch mit Ihrem behandelnden Arzt. Zusätzlich kommen die hohen Kosten für die Behandlungen, die oft zusätzlich Stress verursachen.

Allerdings ist Stress in den allerwenigsten Fällen der Grund dafür, dass eine künstliche Befruchtung nicht zum Erfolg führt. Deshalb machen Sie sich nicht zusätzlich Stress, indem Sie versuchen nicht gestresst zu sein.

So können Sie und Ihr Partner die Therapiemaßnahmen aktiv unterstützen - hier ein paar Empfehlungen.

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